L‘Étoile Napoleon - Der Napoleon Stern. 

 

Obwohl Napoleon den Stern, insbesondere den fünfstrahligen Stern, um den es hier geht, nicht erfunden hat, spreche ich doch vom Napoleon Stern, denn er entwickelte sich in der Zeit von 1799 bis 1815 zu einem zentralen Symbol der napoleonischen Macht, so dass es gerechtfertigt ist, für diesen Zeitraum vom ‚napoleonischen Stern’ zu sprechen. Beim fünfstrahligen Stern geschieht eine Entwicklung, wohingegen Napoleon andere Symbole, wie z.B. den Adler, die Bienen, übernahm, um seine Macht zu repräsentieren.

 

Als junger Mann, der die Ideale der Revolution begrüßte, war Napoleon 1792 nach Paris gekommen und er wäre sicher ein namenloser Artillerie-offizier geblieben, wenn er als Kind dieser Revolution nicht zugleich auch ihr großer Profiteur geworden wäre. 1792 war die Republik entstanden und diese brauchte natürlich loyale Offiziere, die aus einem ansonsten royalistisch geprägten Offizierscorps rekrutiert werden mussten. Bereits 1793 konnte Napoleon Bonaparte sich auszeichnen, indem er den Aufstand von Toulon niederschlug. Daraufhin wurde er schon mit 24 Jahren Brigadegeneral.

Als Anhänger der Bergpartei ( Jakobiner ) wurde er nach dem Sturz Robespierres für 14 Tage inhaftiert und aus der Armee entlassen. Doch auch das Direktorium brauchte fähige Armeeführer und holte ihn zurück, so dass er 1795 den royalistischen Aufstand in Paris blutig niederschlug und auch in Feldzügen gegen andere royalistische europäische Mächte, mit denen Frankreich im Krieg stand, dank seines militärischen Genies glänzende Siege errang. Sein Versuch, das Weltreich Alexanders des Großen über Ägypten bis nach Indien für Frankreich zu erobern, scheiterte allerdings im Jahre 1799 bereits nach Niederlagen gegen England in Ägypten.

Aus Ägypten zurückgekehrt, entmachtete er mit seinem Staatsstreich vom 9.11.1799 das machtlose Direktorium und setzte sich selbst als 1. Konsul an die Spitze von nun zusammen drei Konsuln, wurde dann bald als 1. Konsul auf Lebenszeit bestätigt, bevor er sich schließlich am 2.12.1804 zum Kaiser der Franzosen krönte.

Bis zum Ägyptenfeldzug 1798 und den damit verfolgten Zielen war Napoleon ein bekannter und sehr populärer Armeeführer, aber er war noch kein politisch Herrschender. Der Ägyptenfeldzug bereicherte mit neuen Stilelementen den vom Directoire favorisierten griechisch-römischen Stil, aber die typischen Insignien römischer Macht, wie z.B. der Adler, sind erst mit der Ernennung Napoleons zum 1. Konsul eingeführt worden.

Unmittelbar nach Napoleon‘s Staatsstreich schuf anscheinend Konteradmiral einen Briefkopf, auf welchem die Fregatten Muiron et Carrère unter einem mit ‚B‘ markiertem Stern abgebildet sind. Diese Darstellung der Rückkehr Napoleon‘s aus Ägypten nach Frankreich unter seinem Kommando ist dann unterschrieben: „Nous Gouvernions sur son Étoile“ ( Wir steuern unter seinem Stern ). Ein solcher Brief, datiert vom 28. Juli 1800, liegt heute im Staatsarchiv in Paris ( Centre historique des Archives nationales ), fonds Marine BB4 143, FOLIO 45. Es sind zahlreiche weitere Briefe dieses Typs bekannt, natürlich mit anderen Daten aus dem Jahr 1800.

 

 

 

Ganteaume setzt das Possessivpronomen ‚son‘ ( sein ) vor étoile ( Stern ) und zusätzlich wird der abgebildete Stern durch ein ‚B‘ markiert. Eindeutiger kann man nicht vom ‚napoleonischen‘ Stern sprechen. Napoleon selbst hat sich zu dieser Zeit noch nicht des fünfstrahligen Sterns bedient, was für unsere Comtoise Uhren bedeutet, dass der Stern erst nach der Gründung des Sternordens ( ordre de l‘étoile ) im Jahre 1802 erscheint, bzw. nach offizieller Festlegung des zukünftigen Erscheinungsbildes des Ordens im Jahre 1804, wohingegen der Adler sicherlich ab Anfang 1800 auf den Uhren erscheint. Auf Uhren des Directoire kommen der Adler und der Stern definitiv nicht vor.

Nun könnte man annehmen, dass der gekrönte Adler auf den Comtoise Uhren ab Ende 1804 bzw. Anfang 1805 erscheint, eben nach der Kaiserkrönung vom November 1804. Dies ist jedoch nicht der Fall, denn erst im Jahre 1806 hat Napoleon I. verfügt, dass der Adler zukünftig als gekrönter Adler ausgeführt werden musste. In der Geschichtsschreibung streitet man sich immer noch ein wenig darum, ob Napoleon I. dies im März oder April 1806 tat. Unzweifelhaft ist aber, dass er es verfügte, und dies tat er, nachdem er er sich als Nachfolger des Kaisers des Heiligen römischen Reiches deutscher Nation fühlte. Mit Gründung des von ihm beherrschten Rheinbundes im Jahre 1806 trat der damalige Inhaber dieses Titels, der österreichische König Franz I. zurück, nannte sich unmittelbar danach Franz I. Kaiser von Österreich, und für Napoleon I. war der Weg frei, sich in die Tradition der römischen Caesaren und der Kaiser des Heiligen römischen Reiches deutscher Nation ab Karl dem Großen zu fühlen. Genau ab diesem Zeitpunkt verfügte Napoleon I., dass sein ‚kaiserlicher Adler‘ nun auch ‚die‘ Krone tragen sollte. Nach der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation , die ja ein Baustein in der napoleonischen Neuordnung Europas war, schuf er neue Königreiche, auf deren Throne er seine Brüder setzte. 

Schauen wir uns z.B. das Wappen des Königreiches Westphalen ( 1807 - 1814 ) an, welches seinem eigenen kaiserlichen Wappen natürlich sehr ähnlich war, mit dem entscheidenden Unterschied, dass nun unter der alles überragenden Kaiser-krone ein fünfstrahliger Stern mit einem ‚N‘ erscheint. Hier wird deutlich gemacht, dass König Jerome Bonaparte ein Vasall des Kaisers Napoleon I. ist.

Wenn Sie in eine Suchmaschine des Internets die Begriffe „Wappen des Königreichs Westphalen“ oder auch “Grandes Armes Jerome Bonaparte“ eingeben, finden Sie dieses Wappen sehr schnell.

Eindrucksvoll ist der über dem Schild schwebende napoleonische Stern in Gold zu erkennen.

Schauen wir uns z.B. das Wappen des Königreiches Italien an, dann finden wir auch hier den napoleonischen Stern unter der Kaiserkrone. Napoleon I. hatte sich selbst als König von Italien eingesetzt, war also Vasall in Italien unter sich selbst als Kaiser in Frankreich.

Wenn Sie in eine Suchmaschine des Internets die Begriffe „Wappen Königreich Italien Napoleon“ oder „Coat of Arms Kingdom Italy“ eingeben, finden Sie dieses Wappen sehr schnell.

Das Wappen des Königs von Italien erschien auch auf Münzen des Königreichs, so dass die Italiener jeden Tag den ‚napoleonischen Stern‘ in den Händen hielten.

Wenn Sie in eine Suchmaschine des Internets den Begriff „Regno Italia 40 Lire 1812“ eingeben, finden Sie diese Münze sofort. 

Ab dem 1.März 1808 wurde das französische Wappenwesen im Sinne des Kaisers überarbeitet, so dass man auch hier von einer ‚napoleonischen Heraldik‘ sprechen kann. Diese Neuordnung hatte nicht nur Auswirkungen auf die Wappen in Frankreich, sondern auch auf Wappen der annektierten Gebieten, z.B. des Rheinbundes. Der politische Neuordnung Europas folgte also auch die heraldische Neuordnung, zumindest derjenigen Gebiete, die dem Empire einverleibt worden waren. Es würde zu weit führen, dies hier im einzelnen auszuarbeiten. Sicher ist jedenfalls, dass ‚napoleonische Sterne‘ und ‚Bienen‘ dabei eine bedeutende Rolle spielen. Drei Beispiele möchte ich anführen. 

Das Wappen der Stadt Paris zeigt klar an, wer nun der Herrscher über die Stadt Paris ist, denn es erscheinen 3 Bienen anstelle der goldenen Lilien auf blauem Grund sowie ein fünfstrahliger Stern neben einer Galeere, welche die ägyptische Göttin Isis am Bug trägt.

Wenn Sie in eine Suchmaschine des Internets die Begriffe „Blason Paris Napoleon“ eingeben, finden Sie dieses Wappen sehr schnell.

36 Städte des Kaiserreichs, die sogenannten „bonne ville de l‘Empire francais“ ( gute Städte des französischen Kaiserreichs ) erhielten neue Wappen. Die Bürgermeister dieser Städte mussten laut Gesetz bei der Ablegung des Throneids des Kaisers anwesend sein. Auch deutsche Städte, die mittlerweile zum französischen Kaiserreich gehörten, wie z.B. Aachen, Köln, Mainz, Lübeck, Hamburg und Bremen, erhielten neue Wappen. Diese Städte der 1.Ordnung trugen alle jeweils 3 Bienen auf rotem Untergrund über den stadtspezifischen Teilen. Die Städte der 2. und 3 Ordnung tragen aber alle ein „N“ unter einem fünfstrahligen Stern, dem Napoleonischen Stern.

Geben Sie „Armorial des communes d‘Empire“ als Suchbegriff in eine Suchmaschine des Internets ein und Sie finden eine eindrucksvolle Auflistung dieser Stadtwappen des napoleonischen Kaiserreichs. 

Die Herzöge des Kaiserreichs wurden auch alle mit neuen Wappen gleich-geschaltet.

Geben Sie „Armorial ducs Empire“ als Suchbegriff in eine Suchmaschine des Internets ein und Sie finden eine eindrucksvolle Ansammlung der napoleonischen Sterne.

Schauen wir uns ganz allgemein im Kaiserreich um, so finden wir diese napoleonischen Sterne überall im Alltagsleben. Es gibt keinen Bereich des Alltagslebens, welcher den Geist der Zeit schneller aufnimmt und umsetzt als die Mode. Die Frisuren der Damen wurden mit goldenen Papyrus-Wedeln verschönert, Ohrringe in Lorbeerkranzform waren envoque und um den Hals wurden Lapislazuliketten getragen. Auf den Roben der Damen erscheinen neben ägyptischen Motiven wie Streitwagen auch Palmettenbänder und Akanthus-rankenmuster, letztendlich auch ‚napoleonische Sterne‘. Auch auf den ‚Reticule‘, den Handtaschen der Damen erscheinen oft Lorbeerkränze und goldene Empire Sterne. Der napoleonische Stern war zu einem Accessoire der Mode geworden, einem Accessoires des Empire Stils.

Auch zahlreiche Möbel der Zeit wurden mit goldfarbenen Empire Sternen dekoriert, dies ist so offensichtlich, dass ich diese Beispiele nun hier nicht auch noch hier abbilden muss. 

Zwei Beispiele von Uhren mit Empire Sternen sind es jedoch Wert, abgebildet zu werden. Das Zifferblatt einer schwarzen Marmorpendule des bekannten Uhrmachers ‚Lepaute‘ ist mit einem Kranz aus fünfstrahligen Messingsternen umgeben. Das Zifferblatt ist signiert: Lepaute Hr ( Horloger ) de l‘Empereur,   Place du Palais Royal à Paris.

Bei diesem ‚Lepaute‘ handelt es sich um Jean-Joseph Lepaute, der von 1798 - 1811 dort ansässig war ( siehe Tardy, Dictionnaire des Horlogers Francais, Seite 384 ).

 

 Die Empire Pendule des Uhrmachers ‚Schmitt‘ trägt einen Stundenzeiger, in welchem ein fünfstrahliger Stern eingearbeitet ist. Laut Tardy war der Uhrmacher Schmitt von 1800 - 1810 an der Rue Martin in Paris ansässig. ( siehe Tardy. Dictionnaire.... Seite 589 ).

 

 

Ohne Übertreibung kann man sagen, dass der fünfstrahlige Stern im Empire allgegenwärtig ist. War er dies sicherlich nicht am Anfang der Herrschaft Napoleons zu seiner Zeit als Konsul, so ist er jedoch dann im Kaiserreich allgegenwärtig, und diese Entwicklung war von Napoleon selbst vorangetrieben worden, denn er selbst hat seinen Stern mit dem ‚N‘ versehen und damit zum napoleonischen Machtsymbol gemacht.

 

Der fünfstrahlige Stern kam ab 1802 mit der Gründung des Sternordens ( ordre de l‘Étoile ), auch als Orden der Ehrenlegion ( ordre de la légion d‘honneur ) bezeichnet, bzw. nach Mitte 1804 ins allgemeine Bewusstsein.

Mit Beginn der Französischen Revolution waren alle Orden des 'Ancien Régime', die alle nur dem Adel oder dem Klerus vorbehalten gewesen waren, abgeschafft worden. Die veränderte Machtstruktur der neuen Gesellschaft erforderte aber auch ein Auszeichnungssystem, welches es möglich machte, Kriegs-verdienste zu belohnen. Wurden zunächst Geldgeschenke oder Ehrenwaffen vergeben, so initiierte Napoleon einen neuen Orden, den er in der Nationalversammlung im Jahr 1802 mit folgenden aufschlussreichen Worten begründete: "Ich wette,... dass man mir keine neue und alte Republik nennen kann, die keine Auszeichnungen vergeben hat. Und das nennt man Spielzeug und Flitterkram! Sehr gut! Aber mit solchem Flitterkram leitet man Menschen. Ich würde das vom Rednerpult herab nicht aussprechen, aber in einem Rat von weisen Staatsmännern kann man alles sagen. Ich glaube nicht, dass das franzö-sische Volk Freiheit und Gleichheit liebt. Die Franzosen haben sich in den letzten Jahren der Revolution nicht geändert. Sie haben nur eine Leidenschaft, und diese nennt sich 'Ehre'. Man muss aber diese Leidenschaft hegen und pflegen und Auszeichnungen verleihen!" ( Kircheisen, Napoleon I., V 272 ) Römische Vorbilder,wie sollte es auch anders sein, dienten diesem neuen Orden der Ehrenlegion als Vorbild. Der Orden war in fünf Klassen eingeteilt und jedermann sollte bei entsprechenden Verdiensten bedacht werden können.Frauen kamen anfangs, anders als heute, nicht in Betracht.

Waren eigentlich alle Orden bis zum Ende des 18. Jahrhunderts vierzackige Orden gewesen, so wurde nun der neue napoleonische Staatsorden, wen wundert es, ein fünfzackiger Orden. 

In diesem Zusammenhang gibt es noch eine andere mögliche Erklärung, warum der Orden der Ehrenlegion ein fünfzackiger Orden wurde.

Bereits in der Epoche der Aufklärung war der fünfzackige Stern ein Symbol der Freimaurerei für die moralische und spirituelle Autorität gewesen. Der ‚flammende Stern‘, wie der fünfstrahlige Stern bei den Freimaurern auch hieß, erschien vielfach neben dem Winkelmaß auf den Tischen der Logenmeister. Auf einem Ölgemälde trägt Alexandre Louis Roettiers de Montaleau, Grand Vénérable de la Maconnerie Francaise ( Großwürdenträger der französischen Freimauerei ), der einer der Leiter der französischen Großloge in den Jahren 1780 bis 1808 war, neben anderen Freimaurersymbolen diesen ‚flammenden Stern‘ auf der Brust. Im Siegel der französischen Großloge finden sich zahlreiche flammende Sterne.

Auch das Siegel der 1. Republik, ob durch die Freimaurerei oder durch die Fahne der USA, die zu diesem Zeitpunkt 13 Sterne aufwies, beeinflusst, mag dahingestellt sein, wird durch einen Kranz von 83 dieser Sterne umrahmt, welche für die 83 Departements des französischen Staates von 1790 stehen.. Napoleon übernahm dieses Siegel, er tauschte lediglich den Wahlspruch aus ‚ AU NOM DE LA RÈPUBLIQUE‘ gegen ‚AU NOM DU PEUPLE FRANCAIS   BONAPARTE 1er CONSUL‘.

Jean-Baptiste Caillot, ein preussischer Maler und Zeichner, und General Mathieu Dumas, ein Freimaurer und erster Organisator der Légion d‘honneur, wurden sicherlich durch den flammenden Stern inspiriert, als sie die ersten Modelle der Abzeichen der Légion d‘honneur unter dem Konsulat schufen. Der Einfluss der Freimauerer war wahrscheinlich groß, denn zahlreiche Minister, Freunde, selbst Napoleons Brüder und seine Frau Josephine waren Freimaurer. Dies hinderte allerdings Napoleon I. auch nicht daran, diese Freimaurer durch seine Geheimpolizei überwachen zu lassen. Napoleon I. verweigerte die Ehre des Großmeisters der Großloge von Frankreich, die dann sein Bruder Joseph übernahm. Der freimaurerische Einfluss seines Umfelds war evident, doch eine direkte Verbindung für die Entscheidung des fünfstrahligen Sterns als zentrales Symbol des neu zu schaffenden Ordens ist nicht nachweisbar. Fairerweise muss man sagen, dass der direkte Einfluss, der von den fünfstrahligen Sternen im Wappen der Familie Bonaparte ausgeht, auch nicht nachweisbar ist, zumindest nicht zum Zeitpunkt der Schaffung des Ordens.

Die französische Geschichtsschreibung neigt allerdings zu der Ansicht, dass der zweite Grund wohl der ausschlaggebende gewesen ist.

„De quelle étoile est-il question dans le projet présenté par Mathieu Dumas? De la maconnique, de la napoléonienne ou bien de deux? Des sources archivistiques tendent à favoriser la seconde hypothèse.“

„Von welchem Stern ist in diesem von Mathieu Dumas vorgeschlagenen Projekt die Rede? Vom freimaurerischen, vom napoleonischen oder von beiden? Die Quellen des Archivs neigen dazu, die zweite Hypothese zu bevorzugen.“

Dies schreibt Anne de Chefdebien auf Seite 42 im Buch: L‘INSIGNE de L‘HONNEUR DE LA LÈGION Á L‘ÉTOILE, welches unter ihrer wissenschaftlichen Leitung unter Mitwirkung von Charles-Philippe de Vergennes vom MUSÈE NATIONAL DE LA LÈGION D‘HONNEUR ET DES ORDES DE CHEVALERIE herausgegeben wurde. Mme. Anne de Chefdebien ist die derzeitige Konservatorin dieses Nationalmuseums in Paris.

Wenn man einige Quellen berücksichtigt, die zwar zeitlich nach der Schaffung des ‚Sternordens‘ ( ordre de l‘étoile ) liegen, dann wird deutlich, dass es einen Entwicklungsprozess gab, in welchem sich der im Wappen der Familie Bonaparte vorhandene fünfstrahlige Stern zu einem ‚napoleonischen Stern‘ entwickelte.

Am 16. Juli 1803 wandte sich ein königlicher Agent mit diesen Begriffen an Louis XVIII, indem er sagte:

“D‘autres disent que Bonaparte va se faire proclamer Empereur (...) Les nouvelles armoiries de l‘Empire francais se préparent aussi insensiblement. La pièce principale sera, dit-on, l‘Étoile de Bonaparte, cette étoile miraculeuse qui le guida si heureusement d‘Alexandrie à Toulon et dont le tableau commémoratif se voyait à la Malmaison, dans sa galerie. Déjà cette étoile a remplacé la grenade que les guides consulaires portaient brodée à leurs retroussis. Déjà elle sème les tapis sur lesquels siègent les organes de la justice. Elle reparaît dans les projets de décorations.“ ( Archives du ministère des Affaires étrangères, M´moires et documents, fonds Bourbon, vol. 602, lettre de Paris, 16 juillet 1803; Comte Remaclle, op.cit., p. 355 )

„ Andere sagen, dass sich Bonaparte zum Kaiser ausrufen wird. (...) Die neuen Wappen des französischen Kaiserreiches bereiten sich unmerklich vor. Der Hauptteil, sagt man, wird der Stern von Bonaparte sein, dieser wundersame Stern, der ihn so glücklich von Alexandria nach Toulon lenkte, und von welchem sich das Gedenkgemälde in seiner Galerie in Malmaison befindet. Schon hat dieser Stern die Granate ersetzt, welche die Konsulatswachen, aufgestickt auf ihren Aufschlägen, tragen. Schon ist er auf die Teppiche gesät, auf welchen die Justizorgane ihre Sitzungen abhalten. Er erscheint in den Entwürfen von Dekorationen.“

Dieses Gedenkgemälde, von welchem im vorigen Abschnitt die Rede ist, kann jeder Besucher des Chateau de Malmaison heute noch bewundern. Dieses ‚Portrait du Premier Consul‘ des jungen Napoleon stammt aus dem Jahre 1803 und wurde von Joseph-Marie Vien, dit le jeune ( genannt der junge ) ( 1761-1848 ) gemalt. Ein eindrucksvoller Rahmen mit Bienen und Sternen.

 

 

 

Im Musée National De La Légion d’Honneur Et Des Ordres De Chevalerie ( Museum der Ehrenlegion und der Ritterorden ) in Paris befindet sich ein großes Halbrund-Gemälde, dessen kompletter Rand ebenfalls mit fünfstrahligen Sternen versehen ist.

 

 

 

 

 

 In den Jahren 1803 und 1804 gab es auch populäre Abbildungen Napoleons, auf welchen er mit Sternen bekrönt bzw. durch einen einzeln strahlenden Stern überragt ist. Anlässlich des Attentats auf Napoleon vom 24. Dezember 1800 wurde eine Medaille geprägt, welche sein Antlitz neben seinem kleinen Stern  trägt.

Auf den Münzen des Königreichs Italien erscheint der fünfstrahlige Stern zusammen mit dem napoleonischen Wappen. Die nachstehend abgebildete Münze stammt aus dem Jahre 1811.

Die offizielle Einweihung des neuen Ordens der Ehrenlegion fand durch Napoleon am 15. Juli 1804 statt, nachdem per Dekret vom 11. Juli 1804 die Form der Ausführung festgelegt worden war. Mehrere Künstler hatten 2 Jahre daran gearbeitet.

Dieser napoleonische Orden selbst war ein fünfstrahliger Stern aus schwerem Silber unter weißem und grünem Emailschmelz. Das heutige Design entspricht noch immer dem ursprünglichen von 1804, mit Ausnahme des Apollonkopfes, welcher eine verblüffende Ähnlichkeit mit Napoleon selbst hatte, der inzwischen von der 'Marianne' als Verkörperung der Republik abgelöst wurde. Auch die kaiserliche Krone wurde durch den Lorbeerkranz ersetzt.

Das Collier selbst besteht aus drei Ketten, wovon die äußere und innere Kette abwechselnd aus fünfstrahligen Sternen und Kartuschen, welche mit Bienen verziert sind, bestehen. Der anhängende Orden selbst besteht aus fünf Doppelzacken. 

 

Andere Orden von Vasallenstaaten folgten dem aus Paris vorgegebenen Design, als Joseph Bonaparte, der Bruder des Kaisers den beiden Orden, die er schuf, nämlich dem königlichen Orden der Deux-Siciles ( 1806 ) und dem königlichen Orden Spaniens ( 1808 ), die allgemeine Umrandung eines Sterns mit 5 Zacken gab.

Wenn wir uns nun die Comtoise Uhren der napoleonischen Epoche anschauen, auf welchen wir die imperiale Symbolik wiederfinden, dann können wir nun nach den o.a. Ausführungen viele Uhren genauer datieren. 

Bis März/April 1806 ist der Adler immer ohne Krone ( vgl. Schmitt Tafel 12 Seite 91, Abb. Nr. 52 Seite 93, vgl. Bergmann Abb. Nr. 36 Seite 60, Abb. Nr. 150 Seite 179, Abb. Nr. 295 Seite 278 ). 

Nach diesem Datum, spätestens ab April 1806, trägt der Adler dann bis zur endgültigen Verbannung im Jahre 1815 eine Krone.

( vgl. Schmitt Tafel 13 Seite 94, vgl. Bergmann Abb. Nr. 297 Seite 280, )

Das Konterfei Napoleons unter dem Adler ( vgl. Schmitt Abb. Nr. 51 Seite 92, vgl. Bergmann Abb. Nr. 296 Seite 278 ) stammt aus der Zeit 1799 - 1804.

Das Modell mit einem großen ‚N‘ unter einem Adler, der vor gekreuzten Kanonenrohren und Blitze züngelnd auf einer Weltkugel sitzt ( vgl. Aus-stellungskatalog Museum Schoonhoven Abb. Nr. 26 Seite 21 ) dürfte aus dem ersten Jahre seiner Macht stammen, als er zwar schon Konsul war, aber sicherlich noch vom Weltreich träumte, das ihm die Engländer zunichte gemacht hatten.

Unter einer Blumenschale sehen wir einen grossen Adler mit ausgebreiteten Schwingen ( vgl. Bergmann Abb. Nr. 299 Seite 282 ) , ein wahrlich seltenes Modell.

Zwei Embleme mit Abbildungen Napoleons und Josephines (vgl. Bollen Abb. Nr. 46, vgl. Schmitt Tafel 14 Seite 95, vgl. Bergmann Abb. Nr. 298 Seite 281, vgl. Ausstellungskatalog Museum Schoonhoven Abb. Nr. 25 Seite 21 ). Hier wird Napoleon mit seiner ersten Frau Josephine und nicht Marie-Louise, seiner zweiten Frau, dargestellt. Es gibt zwei Ausführungen dieses Modells, bei welchen nämlich der Adler einmal ohne und einmal mit Krone dargestellt wird. Die bei Bollen abgebildete Uhr stammt entweder noch vom Ende des Jahres 1804 oder aus dem Jahr 1805. Diese Uhr hat nämlich einen republikanischen Kalender, der bis zum 31.12.1805 galt. Uhren mit ungekröntem Adler und den Abbildungen Napoleons und Josephines stammen aus der Zeit vor März/April 1806.

Das Hahnenmotiv kommt während der napoleonischen Herrschaftszeit definitiv nicht vor, wohingegen der Strahlenkopf weiterhin erscheint, allerdings sehr viel weniger als der Adler ( vgl. Abb. Nr. 28 CUM, vgl. Schmitt Abb. Nr. 48 Seite 87 )

Der meist gebrauchte Gussaufsatz der napoleonischen Zeit ist jedoch die Strahlenaureole des divinisierten Augustus, wie sie bereits im Kapitel 'Sonnenemblem' beschrieben wurde, welche am häufigsten mit einem darunter liegenden fünfzackigen Stern vorkommt.

Dieser fünfzackige Stern kommt auch in Verbindung mit dem Adler vor ( vgl. Abb. Nr. 31 CUM / Band 1, vgl. Schmitt Abb. Nr. 53 Seite 96, Ausstellungskatalog Museum Schoonhoven Abb. Nr. 24 A Seite 21), allerdings sehr selten.

Wenn dieser fünfzackige Stern sowohl in Verbindung mit dem Adler als auch mit der Strahlenaureole vorkommt, dann liegt die Vermutung nahe, dass auch dieser Stern ein napoleonisches Machtsymbol ist.

Warum ein fünfzackiger Stern, kein drei- oder sechs- oder siebenzackiger Stern? Warum die Zahl fünf?

Es gibt sicherlich zahlreiche Erklärungen, wofür ein fünfzackiger Stern, ein Fünfeck, ein Pentagramm stehen könnte, die aber in unserem speziellen Fall, der sich Napoleon nennt, nicht weiterhelfen.

Hat Napoleon mit Adler und Strahlenaureole bereits existierende Symbole des Kaisertums übernommen, so wurde mit dem fünfzackigen Stern ein eigenes Herrschaftssymbol geschaffen.

Die Erklärung der Zahl fünf ist so einfach und naheliegend, dass sie in der Vielzahl möglicher Interpretationen übersehen werden könnte.

Im Familienwappen der Buonapartes sind zwei fünfzackige Sterne vorhanden, die somit für den Herrschaftsanspruch dieser Familie bzw. Napoleons stehen. Waren es früher 3 bourbonische Lilien gewesen, die in den Medaillons unter dem Hahn präsent waren, so wurde nun der fünfzackige Stern aus dem Wappen der Buonaparte unter dem Adler oder dem Sonnenkopf als Zeichen des herrschenden Geschlechtspräsent.

Da der fünfstrahlige Stern also den Orden der Ehrenlegion symbolisiert, der von Napoleon I. aber erst im

Jahr 1802 gestiftet worden war, kann folglich auch die spitzstrahlige Strahlenaureole nicht vor 1802 datiert werden ( vgl. Abb. Nr. 32   CUM, Nr. 93 CUM, Nr. 94 CUM, Nr. 149 CUM alle Band 1, vgl. Schmitt Abb. Nr. 44 Seite 83, Nr. 45 Seite 84, vgl. Bergmann Abb. Nr. 35 Seite 59, Abb. Nr. 37 Seite 60, (( die Abb. Nr. 32 CUM zeigt die Uhr No. 24 des Jahres 1809 von Chavin, die Abb. Nr. 37 Seite 60 bei Bergmann zeigt die Uhr Nr. 25 des Jahres 1809 von Chavin )), Abb. Nr. 77 Seite 108 ).

Von manchen Autoren werden die Uhren mit dem fünfzackigen Stern schon in die Zeit des Directoire von 1795 - 1799 datiert, was aber nicht haltbar ist.

Wenn man das kaiserliche Wappen Napoleon I. betrachten, findet man alle Attribute wieder, mit denen Napoleon seine Herrschaft schmückte, unter anderen auch den fünfstrahligen Orden der Ehrenlegion.

Als zentrales Symbol sieht man den Adler des antiken römischen Reichs, der auf einem Donnerkeil sitzt und Blitze schleudert. Wie Sie im Kapitel 'Adleremblem' bereits erfahren hatten, saß dieser Adler auf den Vexilia, den stangenförmigen Feldzeichen der römischen Legionen, die der Centurio zur Befehlsübermittlung benutzte und die somit mit dem Adler bis in den letzten Winkel des römischen Reichs bekannt waren. Napoleon wollte damit zum Ausdruck bringen, unter seiner Führung ein neues Reich gleicher Größe und Machtfülle zu errichten, aber auch seinen Anspruch auf den Titel des Kaisers des heiligen römischen Reichs deutscher Nation zu verdeutlichen, da er sich in der Nachfolge Karls des Großen sah.

Das dies so war, ist daran zu erkennen, dass das nach rechts gerichtete Zepter an seiner Spitze eine Figur Karls des Großen mit Zepter und Reichsadler trägt. Bekanntlich hatte Karl der Große nach seiner Krönung im Jahr 800 einen römischen Adler auf die Aachener Kaiserpfalz setzen lassen, um auszudrücken, dass er sich als Erbe der römischen Kaiser betrachtete.

Das nach links gerichtete Zepter trägt an der Spitze eine als Schwurhand ausgebildete Hand.

Das Adlerbild selbst ist eingefasst von der Großmeisterkette mit dem Buchstaben 'N' des Ordens der Ehrenlegion, an welcher der fünfstrahlige Orden hängt.

Über der Großmeisterkette des Ordens sehen wir einen Ritterhelm mit offenem Visier, der selbst auch noch einmal eine Kette mit dem Orden trägt, der aber auch die Kaiserkrone trägt.

An den beiden Zeptern und der mittigen Krone ist als Hintergrund ein Hermelinmantel aufgehängt, der nun anstatt mit kleinen Lilien, wie bei den Bourbonenkönigen, mit Bienen übersät ist. Napoleon wählte die Bienen in Anspielung auf die Ursprünge der eigenen, französischen Monarchie durch den Merowingerkönig Childerich im 5. Jahrhundert n. Chr. , die ein Attribut dieses Königs waren.

Napoleon ging zielstrebig und konsequent voran, alles war geplant und in Szene gesetzt, um sein Kaisertum zu bewerben. 

Während der Adler auf die Zeit von 1799 bis 1814/1815, der Adler mit Kaiserkrone auf die Zeit von 1806 - 1814/1815 beschränkt ist, wird die Strahlenaureole mit dem Apollonkopf, die natürlich in der Zeit von

1802 bis 1814/1815 Napoleon I. zugedacht war, und der fünfzackige Stern ab 1802 auch nach dem Sturz Napoleons I. durch seine Nachfolger Ludwig XVIII. und Charles X. bis 1830 weiter geduldet bzw. benutzt, denn das Erbe Napoleons I. lebte weiter, z.B. mit dem Orden der Ehrenlegion, der bis heute als höchster Staatsorden Frankreichs Bestand hat, aber insbesondere natürlich der 'Code Napoleon', das umfangreiche Gesetzbuch Napoleons. Die Bourbonen kamen zwar in der Restaurationszeit wieder an die Macht, aber sie waren Könige in einer konstitutionellen Monarchie und die Bürger achteten darauf, dass ihre Rechte gewahrt blieben.

-------------------------------------------------------------------------------------------------

 

Am Niederrhein im Ortsteil Wardhausen von 47533 Kleve-Rinder steht ein eindrucksvolles Denkmal, welches aufgrund seiner Sterne sofort an den französischen Kaiser NAPOLEON I. erinnert.

Der Name Napoleon ist nicht erwähnt, und doch wusste zur damaligen Zeit jeder Betrachter dieses Denkmals aufgrund der ‚napoleonischen Sterne’, dass es in seinem Auftrag errichtet worden war.

                            JEANNE SEBUS

                JEUNE FILLE DE XVII ANS

     APRÈS AVOIR SAUVÉ SA MÉRE INFIRME

     DES EAUX DU RHIN DEBORDÉ L’AN 1809

SE PRECIPITA DE NOUVEAU DANS LE FLEUVE

            POUR ARRACHER À LA MORT

             UNE MÈRE ET SES ENFANTS

                       ELLE Y PERIT

            CE MONUMENT À ÉTÉ ÉLEVÉ

                      À SA MEMOIRE

                           L’AN 1811

Johanna Sebus, ein 17jähriges Mädchen, stürzte sich, nachdem es seine Mutter aus den Fluten des im Jahre 1809 über seine Ufer getretenen Rheins gerettet hatte, von neuem in den Fluss, um eine Mutter und deren Kinder dem Tode zu entreißen. Dabei ging sie unter. Dieses Denkmal ist errichtet worden zu ihrem Gedächtnis im Jahre 1811.

Über dieser Inschrift befindet sich eine weiße Rose umgeben von 12 Sternen.

Napoleon I. hatte anlässlich seiner Krönung im Jahr 1804 einen Orden ‚Orden der weißen Rose’ gestiftet, welcher in seinem Reich an besonders tugendhafte junge Frauen verliehen werden sollte. Normalerweise erhielten die für würdig befundenen jungen Frauen einen goldenen Ehrenring sowie die Übernahme der Aussteuer durch den Staat. Johanna Sebus wurde posthum für ihr heroisches Verhalten mit diesem Denkmal geehrt sowie mit dem Wiederaufbau des vom Hochwasser zerstörten Hauses der Familie Sebus.

 

  

 

 

 

 

 -----------------------------------------------------------------------------------------------

 

Eine Postkarte aus der Zeit um 1900 zeigt Napoleon I. in einer typische Pose. Er schaut auf zu einem von Strahlen umringten fünfzackigen Stern, seinem STERN.

Die Karte ist bezeichnet: 4.- Son Etoile.

Für Menschen des 19. Jahrhunderts war es vollkommen normal, Napoleon I. mit seinem fünfzackigen Stern in Verbindung zu bringen.

 

 

 

-------------------------------------------------------------------------------------------------  

In der Zeitschrift L’ILLUSTRATION vom 11.März 1911 wird das Parfüm ‚L’ÉTOILE de NAPOLÉON beworben.

Es kann doch nichts Idealeres für einen Kaufmann geben, wenn er sein Produkt unter einem Symbol verkaufen kann, welches jede Kundin kennt. Für das Markenzeichen NAPOLEON’S STERN musste er noch nicht einmal etwas bezahlen!

Am Beginn des 19. Jahrhunderts kannte Jedermann ( jede Kundin, jeder Kunde, jedes Kind ) den napoleonischen Stern.

 

 

 

  

 

Bernd Deckert - Antike Uhren / Comtoise Uhren Museum - Düsseldorf | deckert@comtoise.de